Wie kann Künstliche Intelligenz Unternehmen im Arbeitsalltag unterstützen? Mit dieser Frage beschäftigte sich ein Workshop am 3. März 2026 in Görlitz. Die Veranstaltung richtete sich vor allem an kleine und mittlere Unternehmen und bot praxisnahe Einblicke in aktuelle Entwicklungen der KI sowie konkrete Anwendungsmöglichkeiten für betriebliche Prozesse.

Die Arbeitsforschungsakademie (AFA) zum Thema „KI im Arbeitsalltag – Praxisnahe Einführung für KMU“ fand an der Hochschule Zittau/Görlitz (HSZG) am Standort Görlitz statt. Insgesamt nahmen 15 Personen teil, darunter zehn Unternehmensvertreter, ein Netzwerkpartner sowie mehrere Hochschulvertreter. Die HSZG bot mit dem hellen Aularaum, dem Blick über die Neiße nach Polen und dem sonnigen Wetter eine besondere Atmosphäre für den gemeinsamen Austausch. Ein herzlicher Dank gilt der HSZG für die Bereitstellung der Räumlichkeiten, der Firma evosoft für die inhaltliche Ausgestaltung und den bereitgestellten Imbiss sowie der Hochschule Mittweida für die organisatorische Durchführung des AFA-Workshops.

Begrüßt wurden die Teilnehmenden von Prof. Dr. rer. nat. Matthias Schmidt von der Hochschule Zittau/Görlitz, der auch die Räumlichkeiten für die Veranstaltung zur Verfügung stellte. In seiner kurzen Einführung hieß er die Gäste willkommen und gab organisatorische Hinweise zum Ablauf der Veranstaltung.

Im Anschluss stellte Frau Dr. Katharina Müller-Eppendorfer das Projekt Perspektive Arbeit Lausitz (PAL) vor, in dessen Rahmen der Workshop stattfand. Ziel des Projekts ist es, Unternehmen der Region bei aktuellen Herausforderungen der Arbeitswelt zu unterstützen und den Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und regionalen Netzwerken zu fördern.

Praxisworkshop mit evosoft

Der Workshop selbst wurde von der evosoft GmbH durchgeführt. Das IT-Unternehmen mit Hauptsitz in Nürnberg ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Siemens AG und entwickelt seit 1995 maßgeschneiderte Software-, IT- und Automatisierungslösungen für industrielle Anwendungen.

evosoft unterstützt Unternehmen entlang der gesamten digitalen Wertschöpfungskette – von der Beratung über die Entwicklung bis hin zur Implementierung komplexer Digitalisierungslösungen. Durchgeführt wurde der Workshop von den evosoft-Experten Tobias Manger, Simon Schoierer und Carsten Metzler, die den Teilnehmenden praxisnahe Einblicke in aktuelle Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz vermittelten.

Einführung in die Grundlagen der KI

Zu Beginn des Workshops erhielten die Teilnehmenden eine verständliche Einführung in zentrale Konzepte der Künstlichen Intelligenz. Dabei wurden grundlegende Begriffe wie Large Language Models, Generative KI und Machine Learning erläutert.

Die Referenten erklärten, wie moderne KI-Modelle aus großen Datenmengen lernen und dadurch beispielsweise Texte generieren, Bilder analysieren oder Muster in komplexen Daten erkennen können. Gleichzeitig wurde betont, dass KI nicht für jedes Problem automatisch die beste Lösung darstellt. Gerade bei klar strukturierten und regelbasierten Aufgaben können klassische Automatisierungslösungen weiterhin effizient sein.

KI-Anwendungen aus der industriellen Praxis

Ein besonderer Schwerpunkt der Veranstaltung lag auf konkreten Praxisbeispielen. Dabei wurde gezeigt, wie KI bereits heute in industriellen Prozessen eingesetzt werden kann.

Ein Beispiel demonstrierte die Analyse technischer Zeichnungen mithilfe von KI. Ein System kann dabei Bauteile aus hochgeladenen Zeichnungen erkennen und mit vorhandenen Datenbanken vergleichen. Auf Grundlage dieser Analyse lassen sich ähnliche Bauteile identifizieren und sogar erste Angebotsvorschläge erstellen. Ein weiteres Beispiel beschäftigte sich mit der Optimierung von Produktions- und Schichtplanung. Durch die Kombination von Daten zu Maschinen, Mitarbeitenden und Produktionsaufträgen kann ein KI-System verschiedene Szenarien berechnen und jene Variante auswählen, die den höchsten wirtschaftlichen Nutzen innerhalb einer Schicht erzielt.

Diese Beispiele zeigten eindrucksvoll, wie KI Unternehmen dabei unterstützen kann, komplexe Entscheidungsprozesse effizienter zu gestalten.

Abbildung 1: Tobias Manger von der evosoft GmbH diskutiert im Praxisteil des Workshops gemeinsam mit den Teilnehmenden konkrete KI-Anwendungsbeispiele aus deren Unternehmen.

 

 

 

Intensive Diskussion statt Gruppenarbeit

Das Thema KI und Assistenzsysteme im Unternehmen stieß bei den Teilnehmenden auf großes Interesse. Die Veranstaltung entwickelte sich schnell zu einer lebhaften und kurzweiligen Diskussionsrunde. Die vielen Fragen der Unternehmensvertreter führten dazu, dass die ursprünglich geplanten Gruppenarbeiten zur Entwicklung eigener Use Cases zugunsten einer offenen Besprechung der Beispiele im Plenum angepasst wurden.

Diese spontane Formatänderung ermöglichte es, unterschiedliche Perspektiven direkt miteinander zu verknüpfen und konkrete betriebliche Herausforderungen gemeinsam zu diskutieren. Der bereitgestellte Imbiss mit belegten Brötchen und Kuchen trug zusätzlich zu einer angenehmen und kollegialen Atmosphäre bei und förderte den Austausch während der Pausen.

Herausforderungen beim Einsatz von KI

Neben den Chancen wurden auch mögliche Herausforderungen diskutiert. Dazu zählen insbesondere die Verfügbarkeit und Qualität von Daten. In vielen Unternehmen liegen relevante Informationen noch nicht digital vor oder sind über verschiedene Systeme verteilt.

Auch Fragen des Datenschutzes und der Datensicherheit spielen eine wichtige Rolle. Unternehmen müssen sorgfältig abwägen, ob sie KI-Lösungen lokal betreiben oder Cloud-Dienste nutzen möchten.

Fazit: Der Mensch bleibt zentral

Ein zentrales Fazit des Workshops war, dass der erfolgreiche Einsatz von Künstlicher Intelligenz nicht allein von der Technologie abhängt. Entscheidend sind vor allem die Menschen im Unternehmen. Mitarbeitende müssen ihre eigenen Prozesse verstehen und bereit sein, diese weiterzuentwickeln. KI kann dabei helfen, Probleme schneller zu analysieren oder neue Lösungsansätze zu entwickeln, sie ersetzt jedoch nicht das Fachwissen und die Erfahrung der Beschäftigten.

Die Veranstaltung bot insgesamt einen intensiven Einblick in die vielfältigen Möglichkeiten, wie Künstliche Intelligenz im Arbeitsalltag eingesetzt werden kann. Die lebhafte Beteiligung der Teilnehmenden zeigte, wie relevant das Thema für die regionale Wirtschaft ist und wie groß der Bedarf an praxisnahen Orientierungshilfen weiterhin bleibt. Mit der gelungenen Kombination aus praxisorientierten Inputs, Diskussionen auf Augenhöhe und einem inspirierenden Veranstaltungsort setzte die Arbeitsforschungsakademie erneut ein wertvolles Zeichen für die Zukunftsfähigkeit der Arbeitswelt in der Lausitz.

Fotos: Sarah Gruß

Autoren / Autorinnen

  • Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für innovative Arbeitsplanung und Arbeitswissenschaft (InnArbeit) an der Hochschule Mittweida; Betreuung betrieblicher Schwerpunktprojekte im PAL-Projekt

  • Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für innovative Arbeitsplanung und Arbeitswissenschaft (InnArbeit) an der Hochschule Mittweida; Betreuung betrieblicher Schwerpunktprojekte im PAL-Projekt

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