Arbeitsbelastungen direkt vor Ort erfassen, automatisch auswerten und passende Handlungsempfehlungen erhalten; das ermöglicht die SGA-App. Im Forschungsprojekt PerspektiveArbeit Lausitz (PAL) wurde das bewährte Screening Gesundes Arbeiten (SGA) umfassend überarbeitet und als digitale Anwendung für Tablets weiterentwickelt. Das Ergebnis ist ein Analyseinstrument, das Betriebe bei der gesundheitsförderlichen Gestaltung von Arbeitsplätzen unterstützt.
Jeder Arbeitgeber ist nach dem Arbeitsschutzgesetz dazu verpflichtet, die mit der Tätigkeit verbundenen Gefährdungen und Belastungen seiner Beschäftigten zu beurteilen und erforderliche Schutzmaßnahmen zu treffen. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen kann es eine Herausforderung sein, Arbeitsbedingungen systematisch zu erfassen und geeignete Maßnahmen abzuleiten. Das Screening Gesundes Arbeiten unterstützt diesen Prozess. Geschulte Personen, beispielsweise Fachkräfte für Arbeitssicherheit, beurteilen direkt am Arbeitsplatz physische und psychische Belastungen mithilfe eines erprobten Beobachtungsverfahrens mit ergänzendem Kurzinterview. Die Ergebnisse liefern auf einer ersten Screening-Ebene eine Grundlage, um gesundheitsgerechtere Arbeitsplätze zu schaffen.
Wissenschaftliche Aktualisierung
Begonnen wurde mit einer vollständigen fachlichen Überarbeitung des Verfahrens. Seit der ursprünglichen Entwicklung des SGA vor etwa 20 Jahren haben sich wissenschaftliche Erkenntnisse sowie gesetzliche und fachliche Anforderungen im Arbeitsschutz deutlich weiterentwickelt. Deshalb wurden sämtliche Merkmale anhand aktueller Empfehlungen der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) und der Leitmerkmalmethoden der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) überprüft und angepasst.
Neu aufgenommen wurden unter anderem emotionale Anforderungen bei der Arbeit, ergonomische Kriterien wurden präzisiert und die bisherige Ja-Nein-Bewertung um die Antwortmöglichkeiten „Teilweise“ und „Nicht relevant“ erweitert. Dadurch lassen sich Belastungen differenzierter beurteilen. Das überarbeitete Verfahren umfasst insgesamt 70 Merkmale aus den Bereichen Arbeitsverhältnis, physische Belastung, psychische Belastung und Arbeitsumgebung.
Ein besonderer Bestandteil der Überarbeitung war die enge Zusammenarbeit mit den ursprünglichen Autorinnen und Autoren des SGA. Sie begleiteten den fachlichen Entwicklungsprozess und bewerteten die neue Version im Rahmen von Praxistests.

Startseite der SGA-App (Screenshot)

Auswertung der physischen Belastung (Screenshot)
Von der Papierversion zum digitalen Werkzeug
Parallel zur inhaltlichen Überarbeitung erfolgte die Digitalisierung. Ziel war es, den gesamten Ablauf einer Arbeitsplatzbegehung einfacher und praxisnäher zu gestalten.
Die neue SGA-App führt Anwender Schritt für Schritt durch die Erhebung und funktioniert vollständig offline, was einen deutlichen Vorteil in Produktionshallen oder Werkstätten ohne stabile Internetverbindung darstellt. Unternehmen, Arbeitsbereiche und Tätigkeiten können in der App angelegt und verwaltet werden. Zu jedem Merkmal stehen Hintergrundinformationen und Erläuterungen bereit, sodass Fragen direkt während der Beobachtung geklärt werden können. Zusätzlich lassen sich individuelle Notizen dokumentieren.
Nach Abschluss der Erhebung wertet die App alle Angaben automatisch aus. Zudem werden passende Gestaltungsempfehlungen angezeigt, die Betriebe bei der Planung von Verbesserungsmaßnahmen unterstützen. Die Ergebnisse können als PDF-Bericht, Excel-Maßnahmenplan oder CSV-Datei exportiert und in bestehende Dokumentationsprozesse übernommen werden.

Beobachtung eines Büroarbeitsplatzes (Foto: C. Böhm/WHZ)
Praxistauglichkeit wissenschaftlich überprüft
Ein Analyseinstrument ist nur dann zuverlässig, wenn unterschiedliche Anwender bei derselben Tätigkeit zu vergleichbaren Ergebnissen gelangen. Deshalb wird das überarbeitete SGA derzeit hinsichtlich der Interrater-Reliabilität überprüft. Dabei beurteilen zwei Personen unabhängig voneinander denselben Arbeitsplatz. Die Übereinstimmung der beiden Bewertungen wird anschließend statistisch ausgewertet. Diese Validierung stellt sicher, dass die Ergebnisse unabhängig von der beurteilenden Person reproduzierbar sind.
Die SGA-App wird gemeinsam mit der ebenfalls im Projekt PAL entwickelten Anwendung KIWorX auf der Fachmesse ARBEITSSCHUTZ AKTUELL vom 20. bis 22. Oktober 2026 in Stuttgart vorgestellt.